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Cpl52 200v -b-

Beginn des Georgsliedes in der Heidelberger Otfrid-Handschrift (cpl 52 200v).

Das Georgslied oder auch Lied vom Heiligen Georg ist ein althochdeutscher Text hagiographischer Natur, welcher das Leben des heiligen Georgs behandelt. Das Werk eines unbekannten Verfassers, das nur in einer Handschrift teilweise erhalten ist, stellt die älteste uns erhaltene Legendendichtung der deutschen Sprache dar.

Entstehungzeit und Hintergrund Bearbeiten

Das Werk stammt nach Ansicht der Forschung aus dem 10. Jahrhundert, es wird angenommen, daß es wohl um das Jahr 896 herum enstanden ist.

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Überlieferung Bearbeiten

Das Original des Georgsliedes ist nicht mehr vorhanden, es hat sich lediglich eine Abschrift dessen in der Heidelberger Otfrid-Handschrift aus dem späten 10. Jahrhundert (cpl 52, 200v-201v) erhalten, wo es nachgetragen wurde. Der dortige Text ist jedoch nicht vollständig, sondern besteht nur aus den ersten neun Strophen sowie den ersten Zeilen einer zehnten. Nach dieser endet der Text mit der deutsch-lateinischen Mischnotiz „ihn nequeo Uuisolf“ (dt. ich kann nicht [weiter/mehr], Wisolf). Vermutlich war der Schreiber mit seiner eigenen Orthographie, welche durch ihre komplizierte und unregelmäßige Gestaltung auffällt, überfordert und brach daher die Abschrift des Liedes vorzeitig ab. Dadurch ist der Rest des Liedes für die Nachwelt verloren.

Sprache Bearbeiten

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Inhalt Bearbeiten

Der hl. Georg begibt sich mit einem Gefolge zum Gericht. Viele Herrscher versuchen anschließend, ihn zum Abfall von seinem christlichen Glauben zu bewegen. Da Georg jedoch standhaft bleibt, wird er von diesen in den Kerker geworfen. Gott ist jedoch auf Georgs Seite und mit seiner Hilfe gelingt es ihm, zwei Frauen das Leben zu retten, auch heilte er die Stummen, Tauben, Blinden und Lahmen. Ebenso sprießt aus einer hölzernen Säule wieder frisches Laub hervor. Der Herrscher Tatian erzürnt, als ihm dies zu Ohren kommt, darüber und läßt Georg unter der Behauptung, es würde sich um einen Zauberer handeln, festnehmen und mit dem Schwert enthaupten. Georg steht jedoch wieder auf und fährt damit fort, den Heiden das Evangelium zu predigen.Tatian läßt ihn daraufhin auf ein Rad binden und ihm damit seine Knochen zerbrechen. Doch auch nach dieser Ermordung steht Georg wieder auf und setzt seine Predigten fort. Auch die folgenden Maßnahmen (Geißelung, Zermahlung, Verbrennung zu Asche sowie das Werfen in einen Brunnen) zeigen sich als erfolglos, da Georg trotz allem wieder aufsteht.Weiter führt Georg noch eine Tatenauferstehung durch und geht dann zu Alexandra (Elossandria), der Frau des römischen Tetrarchen Diokletian, und bekehrte diese zum Christentum, welche fortan viele gute Taten für das Volk vollbrachte, u. a. indem sie ihren eigenen Schatz verteilt. Anschließend läßt Georg noch eine Abbild des Götzen Apollon (Abollin) in die Tiefe stürzen.

Historischer Hintergrund Bearbeiten

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Literatur Bearbeiten

  • Hans Joachim Gernentz: Althochdeutsche Literatur. Von der «Benediktinerregel» zum «Ezzolied». Eine Auswahl, Berlin 1979.
  • Heinz Mettke (Hrsg.): Älteste deutsche Dichtung und Prosa, Leipzig 1979.
  • Robert Ruprecht: s. v. Georgslied, in: Deutsches Literatur-Lexikon. Biographisch-bibliographisches Handbuch (Band 6), hrsg. v. Heinz Rupp u. Carl Ludwig Lang, 3. Auflage, Bern 1978, Sp. 218.<
  • Ruth Schmidt-Wiegand: s. v. Georgslied, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon (Band 12), hrsg. v. Kurt Ruh u. a., 2. Auflage, Berlin 1980, Sp. 1213-1216.
  • Ingo Walther: s. v. Georgslied, in: Kindlers Literatur Lexikon (Bd. 3), Zürich 1981, S. 3863.

Netzverweise Bearbeiten