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LORSCHER BIENENSEGENBearbeiten

Bei dem Lorscher Bienensegen handelt es sich um einen althochdeutschen Segensspruch aus dem 10. Jahrhundert. Segensprüche fanden bei Menschen und/oder Tieren Anwendung und stammen weitgehen noch aus der altgermanischen Tradition.

Der Text wurde in eine Handschrift eingetragen, die ursprünglich aus dem Kloster Lorsch stammt. Der Verfasser dürfte ein Möch gewesen sein, der den Zauberspruch kopfüber auf den Rand einer Seite aus dem Visio St. Pauli geschrieben hat. Die Sprach ist rheinfränkisch.

Die Visio St. Pauli, eine Handschrift, die sich mit den Offenbarungen des heiligen Paulus beschäftigt wurde im 9.Jahrhundert verfasst. Der Eintrag des Lorscher Bienenesegen wird dagegen erst im 10. Jahrhundert manifestiert.

Die Visio St. Pauli befindet sich heute in der Bibliotheca Vaticana.

Der TextBearbeiten

Kirst, imbi ist hûcze
Nû fluic dû, vihu mînaz, hera
Fridu frôno in munt godes
gisunt heim zi comonne
Sizi, sizi, bîna
Inbôt dir sancte Maria
Hurolob ni habe dû
Zi holce ni flûc dû
Noh dû mir nindrinnês
Noh dû mir nintuuinnêst
Sizi vilu stillo
Uuirki godes uuillon

Übertragung ins NeuhochdeutscheBearbeiten

Christus, der Bienenschwarm ist draußen!
Jetzt flieg(t), mein(e) Tier(e), herbei.
Im Frieden des Herrn, im Schutz Gottes,
gesund heim zu kommen.
Sitz, sitz, Biene.
Das hat dir die heilige Maria befohlen:
du sollst keine Erlaubnis haben,
in den Wald zu fliegen
Weder sollst du mir entrinnen.
Noch mir entkommen.
Sitz ganz still und
wirke Gottes Willen.

Form und InhaltBearbeiten

Der Lorscher Bienensegen entspricht formal noch weitgehend dem Typus des germanischen Zauberspruchs. Er ist aus Langversen gebaut, verwendet aber neben Alliterationen den populären Endreimn (Zeilen 2 bis 6). In den Zeilen 1 bis 4 kann man sogar einen unsauberen Stabreim ausmachen.

Gleichlaufende Kurzzeilen leiten den abschließenden Befehl ein. Dieser aber basiert nicht mehr auf der magischen Gewalt des Zauberkundigen, sondern verkündet nur den Willen und den Befehl Christi und Marias.

Damit erkennt der Mensch die Allmacht Gottes und die, den Heiligen von Gott verliehene Macht, an und bittet um ihren Einsatz zu seinen Gunsten. Vielfach wurde der Spruch als eine Vereinigung von zwei unterschiedlichen Sprüchen angesehen: Zeile 1 bis 2 wenden sich an das Bienenvolk, das bereits ausgeschwärmt ist, während Zeile 3 bis 6 an die einzelne Biene gerichtet sind und sie am Weiterfliegen hindern sollen.

Doch auch eine eigenständige Komposition wird für möglich gehalten. Dabei wird in Zeile 1 bis 6 eine Steigerung der Befehlsinstanzen offenbart, die sich auch in der Metrik widerspiegelt. Die ersten anderthalb Zeilen äussert der Imker (vihu minaz), worauf der Befehl der Jungfrau Maria folgt und am Schluss sollen die Bienen sich nach Gottes Willen verhalten. bina, als einzelne Biene, wird hier als Stellvertreter für das ganze Volk angesehen. Daneben kann mundartlich bie aber auch heute noch das gesamte Bienenvolk bezeichnen

AbbildungenBearbeiten

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QuellenBearbeiten

Wisniewski, Roswitha: Deutsch Literatur vom achten bis elften Jahrhundert. Germanistische Lehrbuchsammlung, Band 28. (Berlin, Weider Buchverlag), S. 254

Schlosser, Horst Dieter: Althochdeutsche Literatur. Mit altniederdeutschen Textbeispielen. Auswahl mit Übertragung und Kommentar. (Berlin, Erich Schmidt Verlag), S. 136

Mettke, Heinz: Älteste deutsche Dichtung und Prosa. (Frankfurt a.M., Röderberg-Verlag). S. 88

Bilder:

http://www.docwarkentin.ca/lorsch1.jpg

http://www.weidenline.de/bilder/galerie/00815_gal238_pic15.jpg

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