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Der Umlaut

Die Erscheinung des Umlauts gehört zu den Phänomenen des kombinatorischen Lautwandels. Das bedeutet, dass das Auftreten des Umlaut von seiner lautlichen Umgebung abhängt. So beruht der Umlaut auf einer partiellen oder vollständigen Assimilation an die Folgesilbe.


1. Primärumlaut

Erste Umlauterscheinungen werden für das Althochdeutsche seit dem 8. Jahrhundert belegt. Die Entstehung des Primärumlauts wird im allgemeinen in der Forschung als ein Prozess begriffen, der in der 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts als abgeschlossen betrachtet werden kann. Hierbei handelt es sich um die Umlautung des kurzen /a/ zu einem kurzen /e/, wenn in der Folgesilbe ein /i/ oder /j/ steht. Dieses Phänomen bezeichnet man als Primärumlaut: ahd. gast – gesti 'Gast – Gäste'

Im Althochdeutschen wird dieses /e/ als Allophon zu /a/ verstanden, da [a] und [e] zu einander komplementär distribuiert sind, d.h. nicht in der selben Umgebung auftreten können: [e] tritt nur vor [i,j] in der Folgesilbe auf, [a] in allen anderen Fällen. Aus diesem Grund ist die graphische Realisierung des Primärumlauts im Althochdeutschen noch nicht konsequent durchgehalten. Denn aufgrund des in der Folgesilbe bedurfte der Umlaut einfach noch nicht einer graphischen Bezeichnung. Erst im Zuge der Nebensilbenabschwächung im Mittelhochdeutschen, in deren Folge das /i/ in der Folgesibe nicht mehr vorhanden war, setzte sich eine durchgehende, schriftliche Realisierung des Umlauts durch.

Es bestehen im Althochdeutschen jedoch noch einige Umlauthinderungen. Es wurde nicht umgelautet

  • vor /ht/: ahd. naht – nahti
  • bei starken Nebentonsilben: ahd. machtic 'mächtig'
  • vor /hs/: ahd. wahsan – wahsit
  • vor Konsonant + /w/: ahd. garwita 'gerbte'


Zusätzlich bestanden noch Ausnahmen von der Umlautung im Oberdeutschen. Hier wurde nicht umgelautet

  • bei /r, l/ + weiterem Konsonant: bair. haltan – haltit vs. fränk. heltit
  • bei /hh,ch/ und /h/: bair. sachan – sachit vs. fränk. sechit 'streiten'

Alle anderen Vokale sind von der Umlautung noch nicht betroffen.


2. Sekundärumlaut


Im Zuge einer zweiten Umlautperiode zu Beginn des 10. Jahrhunderts werden nun die ehemals im Althochdeutschen geltenden Umlauthinderungen beseitigt. Dieser nachträglich eingetretene Umlaut wird als Sekundärumlaut bezeichnet.

mhd.<i,j> naht – nähte, wächset usw<i,j>.

<i,j>3. Restumlaut

Zeitgleich zum Sekundärumlaut tritt nun auch die Umlautung sämtlicher anderer Vokale und Diphtonge ein. Diese bezeichnet man als Restumlaute:

/ā, o, ō, u, ū, uo, ou/ > /æ, ö, œ, ü, iu, üe, öu/

Bei dieser Umlautbildung stand die Forschung jedoch nun vor dem Problem, dass das umlautverusachende i bzw j aufgrund der Nebensilbenabschwächung meist schon geschwunden war und somit gar keinen Umlautungsprozess mehr hätte anstoßen können. Dies gab in der Forschung zu der Theorie Anlass, dass die Umlautung einheitlich als vorahd. Prozess zu begreifen sei. Wie [e] seien auch die anderen Umlaute als Allophone zu begreifen, deren graphische Realisierung erst mit der mhd. Nebensilbenabschwächung notwendig geworden sei, da vorher das in der Folgesilbe als Umlautanzeiger fungiert hätte. Untermauert wird diese Annahme von der Tatsache, dass selbst bis in das Frühneuhochdeutsche die Bezeichnung der Umlaute unvollkommen bleibt, obwohl diese dort schon lange gesprochen wurden.

LiteraturBearbeiten

  • Braune, Wilhelm: Althochdeutsche Grammatik, Tübingen 1987 (bearbeitet v. Hans Eggers, 14. Auflage).
  • Schmidt, Wilhelm: Geschichte der deutschen Sprache, Stuttgart 2007, 10. Auflage.

Weiterführende LiteraturBearbeiten

  • Gütter, Adolf (2003): Zur Chronologie des Primärumlauts von /a/ im Altoberdeutschen, vor allem im Altbairischen. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur. = PBB 125,1, S.1-23. (online zugänglich über das Universitätsnetz der Uni Augsburg)