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Einige Substantive lassen sich nicht in die vier Hauptklassen einteilen. Diese Substantive werden als Unterklassen bzw. Sonderfälle der Hauptklassen klassifiziert. Im Folgenden werden diese Unterklassen und Sonderfälle beschrieben und erläutert.



Unterklassen der a- und ō-StämmeBearbeiten

Die vokalischen Stammbildungselemente a und ō traten im Germanischen auch in den Varianten ja, wa und jō, wō auf. Während es sich im Germanischen nur um Varianten des Stammbildungselements handelte, bewirkten diese Erweiterungen im Althochdeutschen verschiedene Abweichungen in der Entwicklung der Endsilben und Endungen.

Unterklasse der a-Stämme:

wa-Stämme

Unterklasse der ō-Stämme:

wō-Stämme

Maskulinum Neutrum Femininum
Sg. Nom. der sēo (der See) daz horo (der Schmutz) diu brā - w - a (die Augenbraue)
Gen. des sē - w - es des hor - w - es dera brā - w - a
Dat. demo sē - w - e demo hor - w - e deru brā - w - u
Akk. den sēo daz horo dia brā - w - a
Pl. Nom. dia sē - w - a diu horo dio brā - w - ā
Gen. dero sē - w - o deo hor - w - o dero brā - w - ōno
Dat. dēm sē - w - um

dēm hor - w - um

dēm brā - w - ōm
Akk. dia sē - w - a diu horo dio brā - w - ā


wa-Stämme:

  • in allen Kasus in w vor der Endung der a-Stämme
  • Nom. Sg.: das w im Auslaut hat sich zum o entwickelt
  • analog zu den a-Stämmen: ø in Nom. Sg. und Akk. Sg.


wō-Stämme:

  • in allen Kasus ein w vor der Endung der ō-Stämme


Die ja- und jō-Stämme zeigen ebenfalls vielfach dieselben Endungen wie die a- bzw. ō-Stämme:

Unterklasse der a-Stämme:

ja-Stämme

Unterklasse der ō-Stämme:

jō-Stämme

Maskulinum Neutrum Femininum
Sg. Nom der hirt - i (der Hirte) daz kunn - i (das Geschlecht) diu sunt - (i)a (die Sünde)
Gen. des hirt - es des kunn - es dera sunt - (i)a
Dat. demo hirt - es demo kunn - (i)e deru sunt - (i)u
Akk. den hirt - i daz kunn - i dia sunt - (i)a
Pl. Nom dia hirt - a diu kunn - i dio sunt - (i)a
Gen. dero hirt - (i)o deo kunn - (i)o dero sunt - ōno
Dat. dēm hirt - im/-um dēm kunn - im/-um dēm sunt - ōm
Akk. dia hirt - a diu kunn - i dio sunt - (i)a


ja-Stämme:

in den folgenden Formen steht ein i als Rest des Stammbilungselements ja (wesentlicher Unterschied der ja-Stämme zu den a-Stämmen):

  • Nom. Sg. Mask. der hirt - i
  • Akk. Sg. Mask. den hirt - i
  • Nom. Sg. Neut. daz kunn - i
  • Nom. Pl. Neut. diu kunn - i
  • Akk. Sg. Neut. daz kunn - i
  • Akk. Pl. Neut. diu kunn - i

Viele makuline ja-Stämme sind Substantive auf -āri, die von Verben oder anderen Substantiven abgeleitet sind und handelnde Personen bezeichnen (Nomen agentis)

z.B. *scrīb - āri (Schreiber) < st. Verb *scrīban (schreiben)
*fisc - āri (Fischer) < Subst. *fisc (Fisch

jō-Stämme:

  • zeigen praktisch keine Unterscheidungen zu ō-Stämmen
  • auch hier kann ein i oder e als Rest des j vor dem Endungsvokal auftreten (z.B. diu sunta oder suntia oder suntea)

Die femininen jō-Stämme enthalten Substantive, die durch das Suffix -in feminine Substantive zu maskulinen Basen bilden (Movierungen oder Motionen)

z.B. *der kuning (der König) + Suffix -in > *diu kuningin (die Königin)
(Gen. Sg. *dera kuninginna)

Die u-KlasseBearbeiten

Neben den Stammbildungselementen a, ō, i gab es im Germanischen noch das Stammbildungselement u. Die damit gebildeten Substantive werden im Althochdeutschen miest nach der i-Klasse flektiert. In den wenigen Formen tritt im Althochdeutschen das u aber noch auf.

Maskulina Neutra Feminina

der sunu, fridu, situ

(Nom./Akk. Sg.)

daz fihu

(Nom./Akk. Sg.)

hantum, -un

(Dat. Plur.)

Die übrigen Formen werden nach der i-Deklination gebildet. Die übrigen Formen werden nach der a-Deklination bebildet. Die übrigen Formen werden nach der i-Deklination gebildet.
  • neben der sunu im Nominativ Singular ist auch die endungslose Form sun belegt
  • der Dativ Plural hantum ist im NHD noch Formen wie z.B. zuhanden oder vorhanden bewahrt
  • Formen nach der i-Deklination weisen bei vorhandenem i in der Endung einen Umlaut auf
diu hant - dio henti (Primärumlaut)

Verwandtschaftsbezeichnungen auf -erBearbeiten

Im Germanischen bildeten die Substantive der Gruppe von Verwandtschaftsbeziehungen auf -er (fater, bruoder, muoter, tohter, swester) noch eine eigene Flexionsklasse. Kennzeichnend für diese Klasse ist die im ganzen Singular durchgehende Form mit ø-Endung.

vgl. Nom.Sg. *der fater und Dat.Sg. *demo fater (auch: Gen.Sg. mīnes fater in Tatian 12,7)
Maskulina Feminina
Singular

Einheitsformen: fater, bruoder

(daneben Gen. und Dat. nach der a-Deklination)

Einheitsformen: muoter, tohter, swester

Plural gebildet nach der a-Deklination Nom. und Akk. muoter; später Übergang zur ō-Deklination

Feminina auf -inBearbeiten

Eine Einheitsform in Singular zeigen auch die mit der Sonderform -īn des auf -n ausgehenden Stammbildungselements gebildeten Feminina vom Typ thekkī (das Dach)

Die Pluralformen enden im

  • Nom. auf -ī
  • Gen. auf -īno
  • Dat. auf -īm
  • Akk. auf -ī


Diese Substantive sind häufig von Adjektiven abgeleitet (Adjektivabstrakta), was Beispiel hōhī und hōh deutlich zu erkennen ist.

Die WurzelnominaBearbeiten

Das Wort man zeigt im gesamten Singular und im Nominativ und Akkusativ Plural die Form man neben Formen nach der a-Flexion im Singular.

Dieses Wort gehört zu der kleinen Gruppe von Wörtern, die im Germanischen kein Stammbildungselement hatten.


Maskulina Feminina
Singular

Nom. man

Gen. man (des mannes) auch nach der

Dat. man (demo manne) a-Deklination

Akk. man

Nom. naht

Gen. naht (dera nahti) teilweise nach der

Dat. naht (deru nahti) i-Deklination

Akk. naht

Plural

Nom. man

Gen. manno (a-Dekl.)

Dat. mannum (a-Dekl.)

Akk. man

Nom. naht

Gen. nahto ferner auch nach der

Dat. nahtun i-Deklination

Akk. naht

Unterklasse der a-Stämme: Neutra mit ir-PluralBearbeiten

Im Althochdeutschen gibt es eine Gruppe von Neutra, deren Kasusendungen mit denen der a-Stämme (z.B. *daz wort) übereinstimmen, aber zusätzlich ein besonderes Numeruskennzeichen -er oder -ir- besitzen.


Singular Plural
Nominativ daz lamb - Ø diu lemb - ir - Ø
Genitiv des lamb - es dero lemb - ir - o
Dativ

demo lamb - e

dēm lemb - ir -um
Akkusativ daz lamb - Ø

diu lemb - ir - Ø


Das Beispielwort zeigt auch, dass ein kurzes a ind der Wurzel des Wortes in den Pluralformen durch das i in -ir- zu e umgelautet wird. (Primärumlaut)

Ebenso wie lamb flektieren

  • daz (h)rind (Rind)
  • daz smalenōz (Schaf, Kleinvieh)
  • daz kalb (Kalb)
  • daz blat (Blatt)

LiteraturBearbeiten

Bergmann, Rolf/Pauly, Peter/Moulin, Claudine (2007): Alt- und Mittelhochdeutsch. Arbeitsbuch zur Grammatik der älteren deutschen Sprachstufen und zur deutschen Sprachgeschichte. 7. Auflage. Göttingen (S. 46-50)